Unternehmen in der Krise

Der HÖCKER-Rufwächter - Unsere Methode zum Umgang mit kritischen Journalisten

Unternehmenskrisen kündigen sich selten an. Wenn eine Liste kritischer Journalistenfragen in der Kommunikationsabteilung eingeht, brennt deshalb der Baum: Das Unternehmen soll Stellung zu allerlei Vorwürfen nehmen - binnen 24 Stunden weil der Redaktionsschluss naht.

Meist steht die Geschichte schon längst und den Journalisten geht es nur noch darum, exklusive Zitate zu bekommen und die presserechtlich notwendige Gelegenheit zur Stellungnahme einzuräumen.

Die Rechercheergebnisse, die in den Fragen der Journalisten erkennbar werden,
lassen sich in folgende Kategorien einteilen:

01

Unwahre Behauptungen, die widerlegbar sind oder keine Indizienbasis haben

(Klassische „Ente“)

„Sie haben einer Supermarktkette eine Tonne abgelaufenes Gammelfleisch verkauft. Was sagen Sie dazu?“

- wenn dies definitiv falsch ist und es entweder Beweise für das Gegenteil gibt oder der falsche Vorwurf auf bloßen Gerüchten beruht.

02

Unwahre oder wahre Verdachtsäußerungen auf der Basis von Indizien

(Verdachtsberichterstattung)

„Sie sollen laut Anklage der Staatsanwaltschaft Kundengelder unterschlagen haben. Bitte nehmen Sie zu diesem Vorwurf Stellung.“

– wenn dieser Verdacht (egal, ob er tatsächlich zutrifft oder nicht) zwar auf gewissen Indizien beruht, aber bislang weder bewiesen noch widerlegt wurde.

03

Unvollständige Halbwahrheiten

(Tendenziöse Berichterstattung)

„Als Versicherer haben Sie Ihrem Kunden Müller die Regulierung des Schadens verweigert. Können Sie das bestätigen?“

- wenn dies zwar stimmt, aber offenbar ohne Hinweis darauf berichtet werden soll, dass der Kunde selbst schuld ist, weil er ein angefordertes Gutachten immer noch nicht eingereicht hat.

04

Wahre Behauptungen als Zufallstreffer aufgrund bloßer Spekulation

(„Blindes-Huhn-Effekt“)

„Der Vorstandsvorsitzende eines DAX-Unternehmens wurde laut Pressemitteilung des Amtsgerichts gestern wegen Trunkenheit am Steuer verurteilt. Handelt es sich dabei um Ihren CEO?“

- wenn dies zwar stimmt, der Journalist aber keine Ahnung hat, welches DAX-Unternehmen das richtige ist und er daher im Nebel gestochert und einfach alle befragt hat.

05

Wahre Behauptungen, die Geschäftsgeheimnisse betreffen

(„Whistleblower“, „Leaks“)

„Uns wurde Ihr geheimes Strategiepapier zur feindlichen Übernahme Ihres größten Wettbewerbers zugespielt. Welche Auswirkungen hätte die erfolgreiche Umsetzung des Plans für Ihre Aktionäre?“

- wenn das Strategiepapier echt ist und höchster Geheimhaltung unterliegt.

06

Wahre Berichte, die die Privat- oder Intimsphäre von Mitarbeitern verletzen

(Schlüssellochjournalismus)

„Auf diesem Foto sitzt Ihr stellvertretender Abteilungsleiter Meyer, der 140.000 EUR im Jahr verdient, mit Zwangsprostituierten in einem Bordellpool. Den Bordellbesuch hat Ihr Unternehmen als Bonusleistung spendiert. Wie kommentieren Sie das?“

- wenn dies zwar stimmt, der Abteilungsleiter aber seinen Namen, sein Sexualleben, sein Gehalt und sein Foto nicht in der Zeitung sehen möchte.

07

Unbestreitbar wahre Behauptungen

(Sauberer Investigativjournalismus)

„Sie haben Mitarbeiter unter Verstoß gegen Arbeitssicherheitsvorschriften eingesetzt. Wie konnte es dazu kommen?“

- wenn dies stimmt und die Journalisten Filmmaterial gedreht haben, das den Vorwurf belegt.

 

Für alle sieben Kategorien von Presseanfragen gibt es geeignete Strategien, mit denen wir erreichen können, dass die Medien in rechtmäßiger Weise berichten - also im günstigsten Fall gar nicht oder jedenfalls in deutlich abgeschwächter Form. Diese präventive Pressearbeit ist unsere Spezialität.

Sie unterscheidet sich von der Vorgehensweise vieler anderer Medienrechtskanzleien:

Hamburger Schule

Die „Hamburger Schule“ des Presserechts geht davon aus, dass man Journalisten so wenige Informationen wie möglich geben sollte, um sie ins offene Messer laufen und sie Fehler machen zu lassen. Die rechtswidrigen und reputationsschädlichen Stellen im Bericht werden bewusst in Kauf genommen und erst im Nachhinein erfolgreich angegriffen.

Den Mandanten mag ein nachträglicher gerichtlicher Erfolg zum Beispiel in Form einer einstweiligen Verfügung zwar eine gewisse Befriedigung verschaffen. Trotzdem: Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Der Bericht wurde veröffentlicht und hat einen Schaden angerichtet, den man hätte verhindern können.

Die HÖCKER-Rufwächter-Methode:
Prävention vor Reaktion

Von hanseatischer Zurückhaltung halten wir bei HÖCKER daher meist nicht viel. Wir sind kommunikationsfreudige Rheinländer und überzeugt, dass es fast immer sinnvoll ist, mit den Journalisten ins Gespräch zu kommen, mit ihnen über die Rechercheergebnisse zu diskutieren und ihnen sehr deutlich die Grenzen des Zulässigen aber auch einen Weg aufzuzeigen, den sie risikolos gehen können. Immer wieder hören wir von Journalisten, wie ungewöhnlich unsere Form der intensiven präventiven Auseinandersetzung mit den Medien ist.

Redaktionen und Verlags-Justiziariate sind von unseren ausführlichen inhaltlichen und rechtlichen Stellungnahmen oft genervt – nicht zuletzt aufgrund des Zeitdrucks, den sie sich selbst mit Anfragen kurz vor Redaktionsschluss machen. Andere Journalisten sehen den Vorteil, den sie haben, wenn wir uns viel Mühe mit Presseanfragen geben: Sie wissen, dass sie keine presserechtlichen Probleme bekommen werden, wenn sie die von uns fein definierten und sorgfältig begründeten Grenzen der Berichterstattung einhalten. Nach unserer Erfahrung bewahren wir unsere Mandanten so vor vielen Negativberichten.

Wie wir das machen?

Mit der HÖCKER-Rufwächter-Methode.

Die Medien kennen uns. Sie sind uns oft genug vor Gericht begegnet und wissen: Unsere Einschaltung bringt unsere Mandanten auf presserechtliche Augenhöhe mit den erfahrenen Redaktionen und Justiziariaten der Verlage und Sender. Unsere Mandanten werden durch uns zu einem härteren Gegner. Die Journalisten werden vorsichtiger.
Journalisten haben nicht selten eine sehr einseitige Vorstellung davon, in welche Richtung Informationen fließen sollten: Nur zu ihnen. Bestenfalls betrachten sie unsere Mandanten als Quelle, schlimmstenfalls als bloßen Lieferant eines exklusiven Zitats, das der schon fertigen Geschichte noch den Anstrich individueller Recherche geben soll.

In der Regel sind unsere Mandanten jedoch keineswegs zur Auskunft verpflichtet. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Die Journalisten müssen unsere Mandanten vorab über rufabträgliche Inhalte eines geplanten Berichts informieren. Sie müssen ihnen ausreichend Gelegenheit zur Stellungnahme geben. Diese journalistische Sorgfaltspflicht erfüllen Medien oft nur widerwillig und fast immer unvollständig, weil sie sich nicht in die Karten blicken lassen wollen.

Wir fordern dann zunächst eine ausführliche Konfrontation mit allen Vorwürfen, die im Bericht erhoben werden sollen. Wir verlangen auch, dass unsere Mandanten ausreichend Zeit für die Beantwortung erhalten. Denn es ist ein ebenso beliebter wie rechtswidriger Trick, Betroffene einer Berichterstattung unnötigerweise erst kurz vor Redaktionsschluss zu konfrontieren, in der berechtigten Hoffnung, dass sie nicht mehr reagieren können. Verletzen die Medien ihre Pflicht zur zeitlich und inhaltlich ordnungsgemäßen Anhörung, so kann die Berichterstattung schon aufgrund dieses Formfehlers rechtswidrig sein.

Das ist unser rechtlicher Anknüpfungspunkt, um mit den Journalisten ins Gespräch zu kommen – im beiderseitigen Interesse.
Auf der Basis der Presseanfrage und der zusätzlichen Informationen, die wir im Gespräch mit den Journalisten enthalten, erarbeiten wir eine Aufstellung der Vorwürfe gegen unsere Mandanten, die im Bericht enthalten sein könnten. Zur Erinnerung: Es ist im ureigenen Interesse der Journalisten, uns alle Vorwürfe präzise zu nennen. Denn eine mangelhafte Konfrontation fällt den Medien nach der Veröffentlichung eines überraschenden Vorwurfs selbst auf die Füße.
Nun befragen wir unsere Mandanten. Wir wollen z.B. wissen: Welche Vorwürfe stimmen, welche nicht? Welche Fakten entlasten den Mandanten und dürfen im Bericht daher nicht unterschlagen werden?

Handelt es sich bei „geleakten“ Informationen um geschützte Betriebsgeheimnisse? Wie ist die Presse voraussichtlich an ihre Informationen gelangt? Können wir die Glaubwürdigkeit der Quelle erschüttern? Welche Gründe sprechen dafür, dass der Vorwurf als wenig gravierend einzustufen ist, selbst wenn er stimmen sollte? Welche Gründe sprechen dafür, dass Personen, die in der Geschichte auftauchen, zu unbedeutend sind, um im Bericht namentlich genannt oder auf andere Weise identifizierbar gemacht zu werden? Steht zu befürchten, dass unerwünschte Fotos oder Filmaufnahmen gezeigt werden? Wem stehen die Urheberrechte daran zu? Steht der Urheber im Lager des Mandanten und würde gegen die Verwendung vorgehen? Welche Personen sind abgebildet und könnten sich unter Berufung auf das Recht am eigenen Bild gegen die Veröffentlichung wehren?
Wenn wir alle Informationen zusammengetragen haben, ordnen wir die Vorwürfe in die oben beschriebenen sieben Kategorien ein.
Erst dann entwickeln wir gemeinsam mit unseren Mandanten für jeden einzelnen Vorwurf eine maßgeschneiderte Abwehrstrategie. Wir prüfen, ob wir komplett offen und zitierfähig mit den Journalisten sprechen oder ein vertrauliches Hintergrundgespräch suchen, dessen Inhalte im Bericht ganz oder teilweise nicht auftauchen dürfen. Wir entscheiden, ob wir unwahre Behauptungen dementieren oder aus verschiedenen denkbaren Gründen auf ein Dementi verzichten.

Wir rügen es, wenn die vom Bundesgerichtshof aufgestellten Grundsätze der Verdachtsberichterstattung nicht erfüllt sind. Dazu gehört insbesondere, dass die Journalisten einen „Mindestbestand an Beweistatsachen“ recherchiert haben müssen, der den Anforderungen der Rechtsprechung genügt. Wir machen die Journalisten darauf aufmerksam, welche entlastenden Informationen zwingend in den Bericht aufgenommen werden müssen, damit er keine falschen Eindrücke erweckt und er ausgewogen und nicht einseitig vorverurteilend ist.

Wir machen deutlich, welche Informationen unter die Privat-, Intim- oder Geheimsphäre unserer Mandanten fallen und nicht im Bericht auftauchen dürfen. All dies tun wir unter Zitierung der einschlägigen Rechtsprechung. Fast immer können wir dabei auch auf von uns selbst bereits erzielte gerichtliche Erfolge verweisen.
Oft folgen anschließend noch eine oder mehrere Diskussionsrunden mit den Journalisten. Unser Anspruch ist dabei, dass der Bericht keine Rechtsverletzungen zulasten unserer Mandanten mehr enthält. Das ist letztlich auch im Interesse der Journalisten. Das wissen sie und reden daher – mehr oder weniger – gerne mit uns. Jedenfalls respektieren sie uns, so wie wir sie. Denn sie wissen, dass wir kooperieren wollen, aber auch bereit zur Konfrontation sind.